A rainy day at Lake Ranch
Morgens sah es wieder nach Regen aus, aber es war nicht so kalt wie am Morgen zuvor. Mark war auch schon auf, wir hielten eine Schwätzchen. Als ich dann doch mein Morgenpferd holen wollte, fing es an zu regnen, ich blieb also noch im Haus und wartete auf Keith, der angerufen hatte. Er sei mit einem großen Karton Doughnuts unterwegs und würde in einer Stunde eintreffen.
Nachdem ich mir drei von den süßen Dingern reingehauen hatte, holte ich Gumbo, der auf mein Rufen hin brav kam, und ritt mit ihm zur Pferdeweide, um die anderen Pferde zum Stall zu treiben. Mit Gumbo klappte es nicht so gut wie mit der Chestnut, wenn er angaloppierte war er nicht mehr zu halten und schoß weit über das Ziel hinaus. Liz und Blade saßen auf der Treppe zum Ranchhaus und lachten sich halb tot, als ich an ihnen vorbeischoß und rief "Help! This is a horse without brakes!"
Ich schaffte es trotzdem, die Viecher komplett in den Paddock zu treiben und brach dann zu einem Ausritt in das südwestliche Tal auf. Gumbo war offensichtlich nicht in Ausrittlaune, ich ritt darum schon relativ früh zurück. Wieder kam ich an Tore, die ich weder mit Kraft noch mit Tricks öffnen konnte, aber diesmal hatte ich mir etwas überlegt - ich benutzte meinen Gürtel als eine Art Flaschenzug - es klappte. Jubelnd passierte ich das erste so ausgetrickste Tor - mich würde kein Zaun mehr halten können, die gesamte Ranch zu entdecken!
An der Ranch machte ich nur eine Kaffeepause und sattelte dann die Chestnut. Max hatte seinen Hund wieder mitgebracht, nachdem ich gesagt hatte, dass ich ihn vermissen würde, und so zogen wir in südlicher Richtung los - ich hatte in dieser Richtung noch einen schwarzen Fleck auf meiner Lake Ranch-Landkarte. Es wurde aber kein langer Ausritt, eine Wolkenfront näherte sich, vor der ich lieber einen Rückzieher machen wollte. 
Auf dem Rückweg mischte Sieg eine Herde Stiere auf. Erst waren nur fünf oder sechs zu sehen, die er spielerisch angriff. Dann wurden es zehn. Zwanzig. Die vordersten gingen mutig auf den Hund los, der geschickt auswich und die Stiere weiter provozierte. Fünfzig. Siebzig. Hundert. Sie rotteten sich zusammen, um den lästigen Quälgeist zu vertreiben. Als sich Hund und Herde einem Stacheldrahtzaun näherten, versuchte ich, Sieg zurückzurufen. Ich wollte es nicht Schuld sein, wenn sich einige der Rinder im Eifer des Gefechts im Zaun verletzten. Er hörte nach einigen Rufen endlich auf mich und kam zu mir. Auf jeden Fall hatte er sich gut ausgetobt und ich einen Menge Fotos geschossen - schließlich war ich ein Tourist!

Im Stall fand ich drei gesattelte Pferde vor - Monte und das Honeymoon-Pärchen warteten ebenfalls das Wetter ab. Es gewitterte tatsächlich, dann kam ein Anruf - ein Pärchen von einer Travel Agency kündigte ihren Besuch an. Auf der Ranch war daraufhin groß Reinemachen angesagt, Monte hatte keine Zeit mehr für einen Ausritt, also nahm ich Mark zu "meinem" Aussichtspunkt mit, seine Frau hatte auch keine Lust mehr zum reiten. Sie war wirklich sehr still, dabei aber ein echt süßes Persönchen.
Nachdem ich Mark wieder auf der Ranch abgeliefert hatte, brachte ich Gumbo in den Stall, gab ihm eine Extraportion Hafer und verlas ihm heimlich die Mähne und den Schweif. Es war nicht üblich, die Pferde hier zu betüddeln, wahrscheinlich wäre ich mitleidig belächelt worden. Ich brachte ihn für meinem Morgenritt auf die Weide am Stall und sattelte mir Pit, um mit ihm in nordwestliche Richtung zu reiten - dort war ich noch gar nicht gewesen. Zunächst ritt ich aber zum Roundpen, um Greg beim Pferdezureiten zu beobachten, als ich dann startete, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, das Wasser abzustellen, mit dem ich die Pferdetränke gefüllt hatte, also zurück. Dann noch mal zum Roundpen, unterwegs traf ich auf Monte und das soeben eingetroffene Pärchen der Travel Agency. Monte wusste nicht, dass ich wusste, um wen es sich da handelte und hatte wohl Angst, dass ich was falsches sagen würde. Aber ich schwärmte in höchsten Tönen von der Lake Ranch - und musste dafür auch nicht lügen. An das Zimmer hatte ich mich schon nach zwei Tagen gewöhnt, ich brauchte es eh nur zum schlafen und duschen, die Italiener waren weg und gutes Essen war für mich nebensächlich. Alles andere genoß ich in vollen Zügen.

Es sah wieder nach Regen aus, ich brach meinen Ausritt ab und begegnete auf dem Rückweg Blade, der mit dem 4-Wheeler die Pferde auf die Weide brachte. Da ich Pit nicht ohne Sattel (und somit ohne Stoßzügel, also mit einer weiteren black-eye-Chance) den Hang herauf reiten wollte, brachte ich ihn zu Gumbo auf die Weide am Stall.
Abends gab es wieder Steaks.
Es war Samstag, ich rechnete mit ein wenig Action am Abend und ging nach dem Essen rasch Duschen. Als ich wieder in die Küche kam, war alles wie ausgestorben. Kein Schwein da, nur Greg fand ich schlafend im Billardzimmer. Na sowas?
Also saß ich Samstag-Abend-fein im Esszimmer und killte ein großes Insekt, das über den Küchenboden kroch. Draußen gewitterte es wie verrückt, durch das Fenster konnte ich die Ranch sekundenlang von Blitzen erleuchtet sehen. Tax, der Welpe von Ferdinando, jaulte vor der Haustür. Ich ließ ihn herein (was verboten war) und teilte mir mit ihm eines der übrig gebliebenen Steaks (was garantiert auch verboten war). Greg wachte auf und schlurfte auf der Suche nach Essen durch die Küche. Ich gab ihm auch ein Steak.

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