28.02.2000, Lake Ranch - Cowboy 2000: ohne Pferd
 
Ich wußte zwar nicht, was heute an Arbeit anstand (außer der Rinder in Oshoto, die wieder gefüttert werden mussten), aber auf der Lake Ranch hatte es sich immer gelohnt, früh aufzustehen, also sprang ich gegen halb sieben aus dem Bett, sah prüfend aus dem Fenster (mein Lake Ranch-Spruch lautete immer noch "This will be a great day!") und machte mir nach einer Dusche einen Instant-Kaffee. Hauptsache Kaffee. Greg war auch schon vom Sofa gefallen und startete den Tag ebenfalls mit Kaffee, mit dem Bier schaffte er es bis halb zehn zu warten.
BB (Bed 'n Breakfirst) hat HungerBis dahin hatte er immerhin schon die Rinder auf der Lake Ranch gefüttert und alle Tiere auf ihre Weiden sortiert. Ich hatte inzwischen ein wenig im Weg herumgestanden und Pfannkuchen-Mix aus dem neuen Gästehaus geklaut, um ein Frühstück zu machen. Offensichtlich sah ich nicht sehr vertrauensvoll in der Küche aus, die Pfannekuchen musste ich alleine essen, Greg lehnte dankend ab.
Schließlich brachen wir auf und holten bei einer Nachbarranch eine Verladehilfe für Rinder ab, die wir an den Pick up anhängten. Der Anhänger hatte weder Nummernschild noch Beleuchtung; als wir damit auf die Interstate fuhren, sagte ich zu Greg: "Hey - wenn uns die Cops anhalten: ich spreche kein Wort Englisch!"
Wir fuhren nach Sundance, genauer gesagt: zur Kara Creek Ranch, der neuen Ranch von Monte.
Er erwartete uns dort und zeigte mir nach der Begrüßung stolz das Ranchhaus. Obwohl es schon 1959 entstanden ist, war es in sehr gutem Zustand mit steinernem Fundament und gelblich-beigem Rauhputz. Innen wurde gerade renoviert, aber ein Blick in das dachhohe Wohnzimmer mit den Panoramafenstern an drei Seiten ließ erahnen, was für ein hübscher Platz hier enstand.
Nach der Hausbesichtigung fuhr Monte uns über einen Teil der relativ kleinen ("nur" 1120 Hektar) Ranch, um mir die Ranch zu zeigen. Auch dreissig Meilen von der Lake Ranch entfernt war eine wunderschöne Landschaft, aber sie konnte es mit der Lake Ranch nicht aufnehmen. Mir fehlte neben den wilden Canyons und lichten Pinienbeständen die Weite, die man auf der Lake Ranch von jedem höheren aus Hügel sehen und erleben konnte.
Ich konnte es trotzdem kaum erwarten, die Ranch eines Tages per Pferd zu erkunden.
Nach dem Ausflug saßen wir wieder im Wohnzimmer der neuen Ranch, tranken das obligatorische Mittagsbier tranken und hielten Schwätzchen.

Schließlich hängten Greg und ich diese verkehrsunsichere Rinderverladehilfe vom Pick up ab und fuhren hinter Monte her nach Sundance, wo uns der Boss zum Lunch einlud. Inzwischen fing es an zu regnen, aber typisch Wyoming ("Wenn Dir das Wetter in Wyoming nicht gefällt, dann warte fünf Minuten!") hatten Greg und ich wieder strahlenden Sonnenschein, als wir bei den Rindern in Oshoto ankamen, um sie zu füttern. Wir brachten diesmal sechs von den riesigen Rundballen heraus, da wir am nächsten Tag keine Zeit haben würden, hier her zu kommen. Irgendwas war geplant, was vom Pferderücken aus gemacht werden musste, Rinder zusammentreiben oder sowas. Wir wollten uns gegen Mittag mit Monte treffen, aber vorher mussten wir einige Reitpferde von einer etwas entfernter liegenden Weide von der Lake Ranch holen. Morgen also Cowboy wie vor hundert Jahren: ohne Pick up!

Gegen fünf waren wir zurück auf der Lake Ranch, Greg verzog sich ins Wohnzimmer und mümmelte sich ein, er hatte den penetranten Geruch nach frisch geöltem Holz in dem neuen Ranchhaus nicht vertragen. Ich ging derweil in die Sattelkammer und suchte nach dem Sattel, den ich im Sommer benutzt hatte, stellte die Steigbügel für mich ein und ölte einige Trensen.


Lake Ranch: das neue Gästehaus

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Last Update: 02/2000 
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