06.03.2000, Lake Ranch - Still here ...
 
Ich verbrachte den wolkigen und kühlen Vormittag damit, mit meinem Notebook herumzustreiten. Die FAT der Festplatte war dahin; Ladeschwierigkeiten, kein Zugang zum Internet und Zittern um die über 1500 Bilder, die ich auf der Platte gespeichert hatte, war für die nächsten Tage angesagt. Ich musste dringend einen Computershop finden, der das reparieren konnte. 
Nebenbei erweiterte ich meine Kenntnisse in amerikanischer Küche: Kirschmuffins (just add water ...)
Ich plante nach Sundance zu fahren, Linda hatte erzählt, dass dort ein größerer Lebensmittelladen wäre, ich brauchte Tabak und eine neue Telefonkarte, beides war in Hulett nicht zu bekommen. Die letzten sieben Minuten Sprechzeit nutzte ich für einen Anruf bei Rob No. 1, der sich sicher schon Sorgen um seinen Chevy machte. Tatsächlich, er hatte versucht, mich auf meinem Handy zu erreichen, aber das Billigteil tat es in Wyoming nicht; der Empfang war zwar gut, aber mein Provider ließ keine Anrufe von oder nach Wyoming zu.
Rob war mal wieder dabei, sein Leben umzukrempeln, in Ermangelung seines Trucks war er aber gezwungen, kleine Schritte zu machen, selbst zum Einkaufen musste er sein Pferd satteln und eine Stunde zum nächsten Ort reiten *g*
Es sah so aus, als ob meine Tage in Wyoming zunächst gezählt seien, denn mal abgesehen von Rob, der sich nach seinem Chevy sehnte, war die Stimmung auf der Lake Ranch leider ein wenig gespannt. Ich hatte eine Woche mit Gregg alleine auf der Ranch verbracht, was seine Freundin Linda ein wenig in den falschen Hals bekam. Hm. I'm sorry about! Aber wer kann wirklich glauben, dass Gregg mein Typ sein könnte?! Netter Kerl, wirklich nichts gegen zu sagen, aber über jede weitere Vorstellung zu reden erspare ich mir hier, ich will keinen beleidigen ;-)
Nun denn - wie immer: mal schaun. Erst mal fuhr ich nach Sundance zum Einkaufen und, da ich sowieso schon mal in der Nähe war (20 km), zur Kara Creek Ranch, um Monte zu besuchen. Dort traf ich als erstes Keith, der im Sommer auf der Lake Ranch Mädchen für alles (Zäune reparieren etc.) gewesen war. Er kam gerade aus seinem Winterquartier in Kalifornien zurück, wollte kurz "Hallo" sagen und dann nach Kentucky weiter reisen, bevor die Saison auf der Lake Ranch begann. Wir hielten ein paar Minuten Schwätzchen, dann zog er los und ich ging ins Ranchhaus, wo ich Monte, seine zwei Brüder und Max beim Kartenspielen vorfand. Sie schienen ziemlich beschäftigt zu sein, also begrüßte ich sie nur kurz, bemerkte spöttisch: "Hey - I'm surpised: you're not drinking beer ..." und verabschiedete mich wieder.

Nach ein paar Fotos von der Kara Creek Landschaft fuhr ich zurück zur Lake Ranch. 
Nach der morgendlichen Bewölkung war inzwischen wieder herrlicher Sonnenschein, ich freute mich auf einen spätnachmittäglichen Ritt, um die Kühe zu checken. Da Gregg und Linda eine leichte Meinungsverschiedenheit hatten (ich fürchte, bezüglich meiner Wenigkeit :-(( ) ritt ich alleine mit dem Paint-Hengst los. Das Pferd war vielleicht nicht die beste Wahl für Rinderchecks (obwohl ich mich zunehmend in den Hengst verliebte ...), die meisten Kühe waren Black Angus-Herford-Kreuzungen, schwarz mit manchmal weißen Köpfen und kleineren weißen Abzeichen an Brust und Bauch - nicht ganz unähnlich "meinem" Paint. Entsprechend kam es ab und zu zu Verwechslungen, und eines der jüngeren Kälber folgte mir anstatt seiner Mutter ...
Nach einer Stunde hatte ich die bekannten drei Kälber und zwei toten Kühe gesichtet, ausserdem ein totes Kalb, das aber offensichtlich schon seit Monaten dort lag, und einige Bullen, die Gregg am Vormittag von einer anderen Weide stritzen gegangen waren. Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse, keine neuen Kälber oder kalbenden Kühe. Und trotzdem: irgendwie ein tolles Gefühl, verantwortlich für hundertsechszig Kühe zu sein. 

Die Klientel :-)

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Last Update: 03/2000 
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