Rinderarbeit war angesagt - der große Round up!
Wir holten
so viele wie möglich von den Rindern von einer benachbarten Weide
("Bowlpasture"), die wir zur Ranch trieben. Von den ca. achthundert Rindern,
die sich dort befinden sollten, erwischten wir zumindest schon mal dreihundert
- das war kein schlechtes Ergebnis, denn die Weide war riesengroß
und von Tälern und Canyons durchzogen.
Max und Greg sortierten
die Rinder nach Brandzeichen, bis sie zwei Gruppen hatten. Zum Teil wurden
die Viecher auch gewogen, jeweils zu zehnt.
Dann brachten wir eine Gruppe
zu einer ziemlich weit entfernten Weide, wir mussten dafür mehrere
andere Weiden und (verbotener Weise) eine Nachbarweide überqueren.
Nachdem ich beim Zusammentrieb
versucht hatte, die Rinder durch Zurufe wie "Come on, Cheeseburger!" oder
"Go, Beefsteak!" anzutreiben, probierte ich jetzt die sprachlose Art, die
Max und Elena anwendeten, aus. Die bestand aus Geräuschen wie "pscht"
oder "pfrsch" oder so - weitaus effektiver und auf die Dauer auch nicht
so anstrengend für die Stimmbänder.
Ich bekam auch einen den
ersten echten Eindruck, was Viehtrieb eigentlich ist. Kein Spaß,
sondern Arbeit. Nicht hart, aber auch nicht angenehm. Die Viecher stanken,
man musste sich dem Tempo der Herde anpassen und darum sehr langsam gehen.
Wenn man die Herde seitwärts führte trottete man also langsam
nebenher, den Blick auf ein paar hundert Kühe gerichtet. Hatte man
seinen Platz hinter der Herde, dann musste man dauernd hin und her reiten
und die Nachzügler mit den "Pscht"-Geräuschen oder wie auch immer
antreiben. Alles in allem - eigentlich ein Sch...-Job.
Nachdem
wir die Herde ans Ziel gebracht hatten, durchritten wir auf dem Rückweg
die Weide, auf der wir sie am Morgen zusammengetrieben hatten. Unterwegs
schafften wir es nochmals ca. dreihundert Rinder zusammenzutreiben. Als
die anderen schon mit den Rindern an der Ranch waren, zuckelte ich noch
mit sechs Nachzüglern hinterher, die ich mit Mühe und Not vor
mir hergetrieben hatte. Ich deutete auf ein Rind mit auffälligen weißen
Streifen am Kopf, das mich ganz schön Nerven gekostet hatte: "Der
da wird mein nächstes Steak!"
Diese dämlichen Rinder
gingen ja nie in die Richtung, in die man sie haben wollte. Mit einer großen
Gruppe auf einer Ebene - kein Problem. Aber wehe, man versuchte einzelne
Tiere oder kleinere Grüppchen zu treiben - und dann auch noch auf
einem Trail, der durch einen Wald führte. Das war für einen alleine
gar nicht machbar, selbst zu zweit hatte man Schwierigkeiten. Wenn man
einem Tier, das nach links ausbrach, folgte, konnte man sicher sein, dass
inzwischen ein anderes nach rechts lief - und alle Restlichen umdrehten
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