Just a ride
Unser heutiger Auftrag: die vier Pferde, die Michelle und mir bis kurz vor die Ranch gefolgt waren, zunächst in den Paddock zu treiben und dann auf eine andere Weide zu bringen, auf der auch die große Stutenherde der Ranch war.
Ich machte den Spaß mit einigem Abstand mit. Nachdem die Pferde glücklich auf der richtigen Weide gelandet waren und der Trupp Luca zu einem weiteren Ausritt folgte, machte ich mich wieder selbständig. Während die anderen den Weg einschlugen, den ich gestern zwischen den Buttes hindurch zu "meinem" Tal geritten war, schlug ich mich nordwärts um die Buttes herum. 
Ich erreichte einen sehr hohen Punkt am Fuße des nördlichsten Butte, von dem aus ich die Umgebung in drei Richtungen komplett überblicken konnte. Ein unglaubliches Panorama. Und so groß! Immer wieder staunte ich über diese menschenleere Weite. 
Irgendjemand hatte dort einen kleinen Hügel aus Steinen aufgerichtet - vielleicht einen halben Meter hoch. Mir war der Sinn des Gebildes etwas unklar, deswegen sah ich es mir näher an. Eine leere Bierdose steckte zwischen den Steinen. Das erklärte zwar immer noch nicht den Sinn des Hügels, war aber mein erster Zusammenstoß mit der Müll-Mentalität der Amerikaner - in den folgenden Wochen fand ich noch oft leere Dosen, Autoreifen oder sogar ganze Traktoren, die irgendwo in der Natur vor sich hinrotteten.
Ich ritt weiter und traf nach einer Stunde wieder auf die anderen, die es offensichtlich geschafft hatte, um die Buttes herumzureiten. Also musste es doch ein Tor in dem Zaun in "meinem" Tal geben - ich nahm mir vor, es ein andern mal zu suchen. Ich ritt mit ihnen zusammen zurück zur Ranch. 
Drei Rinder lungerten dort auf einer Weide herum, auf der sie nichts zu suchen hatten. Lucas beauftragte uns, diese Kühe durch die Ranch auf eine benachbarte Weide zu treiben. Während wir Touristen uns auf die drei armen Stiere stürzten, blieb er auf einem Hügel zurück und lachte sich wahrscheinlich ins Fäustchen. Wir schafften es schließlich - mehr Recht als schlecht, aber es machte Spaß - auch wenn wir uns die ganze Zeit gegenseitig im Weg standen.