| Buchung mit Hindernissen
... Kühe treiben und Cowboy spielen
im Urlaub?
Hier kamen drei Faktoren zusammen.
Oder vier. Erstens: ich kann reiten. Zweitens: Bekannte erzählten
von einem geplanten Ranchurlaub. Drittens: ich sah zufällig eine Anzeige
eines Reiseveranstalters in einer Pferdezeitschrift. Und viertens: wir
reden immer noch von Amerika.
Also nicht lange gefackelt und einen
Katalog bestellt. Mir wurde Arizona oder Texas empfohlen, da dort im Frühjahr
die Temperaturen am angenehmsten seien.
Der Katalog ließ auf sich warten,
mein Bescheid über die Tempoüberschreitung allerdings auch. Als
der Katalog im neuen Jahr endlich ankam, blätterte ich neugierig darin
herum. Was suchte ich eigentlich?
Keine Touristenfalle. Keine Extrem-Western-Reiter.
Kein Vier-Sterne-Hotel, aber auch keine Plumpsklo-Romantik. Keinen Swimmingpool
oder Golfplatz, aber Kuhherden bitte - möglichst groß.
Da sich die Auswahl über alle
diese Sparten erstreckte, war es eigentlich nicht schwer, sich schließlich
auf eine der Ranches festzulegen. Die Muleshoe-Ranch wurde als reine Workingranch
mit kaum mehr als zwanzig Gästen beschrieben. Nichts desto trotz Zimmer
mit eigenem Bad und WC - darauf legte ich eine Menge Wert. Und im März
stand sogar der Viehtrieb von den Winter- auf die Sommerweiden an - na
das würde doch ein richtiges Abenteuer werden ...
Ich rief also bei dem Veranstalter
an und fragte dort nach, was denn so ablaufen würde. Und ob 'Viehtrieb'
hieß, daß ich vierzehn Tage nur auf Achse sein würde oder
das Ranchhaus immer die Übernachtungsstelle sei, so daß auch
mal ein Tag Pause für den Großstädterhintern möglich
wäre. Der Veranstalter versprach, sich zu erkundigen und rief nach
wenigen Tagen zurück.
"Ja, nu ..." druckste er herum. "Das
ist so ..."
Ja, wie ist es denn nu?
"Also: während des Viehtriebes
wird nicht zur Ranch zurückgeritten, sondern in den Bergen gelagert."
Na ja, mal abgesehen davon, daß
ein Tagespreis von fast dreihundert Mark für campieren im Freien reichlich
happig ist, war ich noch nicht so sehr abgeschreckt.
"Der Trieb geht über zwölf
Tage - und es machen nur Männer mit." Bedeutungsschwangere Pause.
"Sie wären die einzige Frau."
Aha. Da lag also das Problem im prüden Amerika. Irgendwie schien dem
Rancher die Vorstellung, daß eine Frau seine Männer in den Bergen
verrückt machte, nicht so recht zu behagen. Damit habe ich persönlich
wenig Probleme, was mich dann trotzdem davon abhielt, auf meine Gleichberechtigung
auch in Urlaubsfragen zu pochen war die Androhung von täglichen zwölf
Stunden im Sattel. An so eine Strapaze könnte ich mich vielleicht
innerhalb einer Woche herantasten, aber von Anfang an so lange auf dem
Pferd hocken - nu sei'n wir doch bei aller Härte mal ehrlich: mein
europäischer Hintern sitzt nie länger als maximal drei, vier
Stunden im Sattel.
Alternativ wurde mir angeboten, daß
extra für mich ein Wrangler (so nennen die die Cowboys) auf der Ranch
zurückbleibt, der mich betreuen würde. Ob ich denn nicht alleine
bleiben könnte? fragte ich. Das sei nicht möglich, das Gelände
sei prädestiniert für verirrte Touristen.
Hm. Und was, wenn ich mich mit dem
Wrangler nicht vertrug? Ich würde womöglich vierzehn Tage mit
einem Deppen auf der Ranch festsitzen. Nein, das Risiko war mir denn doch
zu groß.
Inzwischen war schon Februar und mein
Bescheid über die Tempoüberschreitung immer noch nicht angekommen.
Also beschloß ich, mal über die Grenzen von Arizona und Texas
hinwegzusehen und weiter nach Norden zu schauen, wo die Temperaturen im
Juni/Juli auch angenehm wurden. Wyoming oder Montana. Da gäbe es auch
Ranches, auf denen ich mal alleine Ausreiten dürfte - immer vorausgesetzt,
daß ich auch wirklich sattelfest war.
Ich
entschied mich für die Lake Ranch in Wyoming. Auch eine Workingranch
mit maximal zwölf Gästen, aber dafür zweitausend Rindern.
Whow!
Als Omen betrachtete ich es dann noch,
daß sie in der Nähe des "Devils Tower" lag, ein monumentartiger
Berg, der durch einen Science Fiction zu einiger Berühmtheit gekommen
ist. Zufällig mein Lieblings-Science-Fiction - na, wenn das kein Zeichen
war!
Also ließ ich mir für Juni
ein Angebot machen.
Sumasumarum *auweia* etwas über
fünftausend Mark für vierzehn Tage. Aber dann auch alles inklusive:
Flüge, Übernachtungen, Essen und natürlich die Arbeit auf
der Ranch. Das kann auch nur deutschen Touristen einfallen, für Arbeit
zu bezahlen ...
Auch die Anreise lud nicht gerade
zum Urlaub ein. Köln - Frankfurt - Chicago - Denver - Rapid City.
Vier mal umsteigen! Und dann noch von Rapid City eine gut zweistündige
Autofahrt zur Ranch. Trotzdem. Ich buchte. Oder wollte buchen. Erst mal
rief ich beim Veranstalter an und fragte noch ein paar Kleinigkeiten, und
wie wir da so Schwätzchen hielten meinte er plötzlich: "Na was
für ein Zufall. Normalerweise sind die anderen Gäste Amerikaner,
aber genau in der Zeit, in der Sie buchen, sind auch drei andere deutsche
Frauen da!"
Ich grinste etwas gequält in
den Hörer. "Aha ..."
Während des weiteren Gesprächs
schwebten mir die ganze Zeit kleine Szenen aus deutschen Ställen vor
Augen. Kaffeeklatsch mit drei Damen - diese Art Damen, die in großen
Reitställen herumlaufen. Witzig, immer ein Lächeln auf den Lippen,
das von lästerlich schadenfreudig bis spöttisch herablassend
variiert.
Nö. Bevor ich auflegte schlug
ich vor, daß ich meinen Urlaub vielleicht doch lieber um zwei Wochen
verschieben würde. Um mich mit deutschen Touristen zu umgeben brauche
ich nicht nach Amerika zu fliegen, dann kann ich auch im Bayrischen Wald
auf einen Bauernhof gehen.
Mein Anliegen stieß zum Glück
auf Verständnis, allerdings würde ich dann das 'Branding' verpassen,
wurde ich gewarnt.
"Was'n das?"
"In der Zeit werden die Kälber
gebrannt. Dafür fliegen die Frauen auch extra rüber."
So so. Meine Vorstellung erweiterte
sich auf den Anblick von drei Mannweibern, stämmig, aber blond, die
mit zunehmender Begeisterung Kälber umwarfen und verbrannten, um dann
Zuhause am Stammtisch zu erzählen, watt das für ein Staub war,
nicht ohne dabei stolz auf einige Narben zu zeigen, die das Brandeisen
auf ihren Händen hinterlassen hat.
"Tja, also ehrlich gesagt: Kälber
umwerfen und brennen gehört nicht gerade zu meiner Vorstellung von
Urlaubsfreuden - ich glaube, ich kann also gut darauf verzichten ..."
Mir wurde aber versprochen, daß
noch genug interessante Aufgaben übrig bleiben würden, so müßten
zum Beispiel die Herden von Weide zu Weide getrieben werden.
Na denn ...
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